Gesang und Trauma, Marion Willmanns

Ständiges Räuspern – warum?
Die einen „brauchen“ es, die anderen nervt’s

Kennst du das? Du musst dich ständig räuspern – und manchmal wirst du dabei sogar von deinem eigenen Hals genervt.
Wurdest du vielleicht schon darauf angesprochen, ob das vielleicht eine „Manie“ ist?
Woher kommt dieses Räuspern eigentlich?
Warum hört es nicht auf? … und … kann das sogar chronisch werden?

Hier findest du Antworten von Stimm-Expertin Marion Willmanns.

Warum wir uns räuspern – Ursache und Wirkung

„Da stört was im Hals“, sagst du vielleicht – klar.
Aber das ist nur der Ort, nicht die Ursache.
Räuspern entsteht, wenn man die wichtige Schleimschicht um die Stimmbänder bemerkt und loswerden möchte oder die Stimmbänder gereizt sind.
Das kann viele Gründe haben – von harmlos bis hin zu tieferliegenden Ursachen.
Schauen wir uns das einmal genauer an:

1. Physiologische, also natürliche Ursachen

Trockene Stimmbänder – häufigste Ursache!

Die Stimmbänder benötigen Feuchtigkeit, um die schützende Schleimschicht aufbauen zu können.
Werden nämlich die Stimmbänder zu trocken, reagiert der Kehlapparat automatisch mit einem Räusper-Reiz, um den Schluckvorgang zu aktivieren und
damit neue Schleimproduktion anzuregen und dafür benötigt der Körper Flüssigkeit!
Wusstest du, dass etwa ab dem 60 Lj. der Impuls, etwas zu trinken, abnimmt? Wir nehmen schlicht weniger Flüssigkeit auf, da wir neu lernen müssen,
dieses Bedürfnis AKTIV zu bedenken und dann zu erfüllen – und genau da liegt der häufigste Grund, warum wir plötzlich nur noch uns räuspern müssen!
Trockene Luft im Sommer oder Heizungsluft, sowie stimmintensive Aktionen, verringern die wichtige „Schmierung“ durch fehlende Feuchtigkeit der Stimmbänder ebenso.

  • Wichtig ist das Trinken von Warmgetränken und Wasser (etwa 1,5 – 2 Liter pro Tag).
  • Ein „Stimmbalsam“ in Form von Lutschpastillen (zb. Isla-Moos) hilft mit einer schützenden Schicht, um die Feuchtigkeit vor Ort zu konservieren.
  • Auch salzhaltige Pastillen (Bad Emser) wirken wohltuend, denn, das Salz heilt!
  • Ein „Stimmen-Öl“ sprüht man in den Rachen, dieser entfaltet wohltuend seine ätherischen Öle nachhaltig.

Nervosität trocknet die Stimmbänder ebenso aus wie das Rauchen

Gleich ist es so weit: Der Vortrag, Podcast oder das Vorstellungsgespräch beginnt … und dann das!
Plötzlich räuspert man sich ständig! Wir sind verschleimt – wie lästig ist sowas!
Das geschieht durch das Stresshormon Adrenalin, welches uns wacher und aufmerksamer macht. Dabei ändert sich der Herzschlag und somit die Durchblutung – und damit die Atmung, die eilig an den Stimmbändern entlang fließt (schießt) und diese dabei schlicht austrocknet.
Kann man das verbessern? Aber ja!

Bewusstes Durchatmen, insbesondere sehr tiefes Ausatmen hilft, das Adrenalin zu kontrollieren.
Wusstest du, dass binnen 20 Minuten aktivem Singen das Adrenalin im Blut nicht mehr nachgewiesen werden kann?
Singen ist also ein guter Stressregulator! Das geht im Auto, im Bad … wo auch immer!

Ist die Stimme durch Nikotin belastet, kann sie deshalb kratzig oder heiser klingen. Entscheidend ist Konsumintensität und Dauer, denn das Epithel verändert sich, also die Schleimhaut der Stimmbänder (aber nicht nur hier) wird durch das Nikotin gereizt und kann sich dauerhaft verändern.
Aus dem wichtigen und ausreinigenden Flimmerepithel wird ein Plattenepithel, welches den Schmutz dann aus der Lunge nicht mehr hinausbefördern kann, da die „amöboide Bewegung“ der Flimmerhaare diesen Prozess einst übernommen haben. Das ist der Grund, warum chronisches Rauchen den chronischen Husten verursachen. Irgendwie versuchen sich die Bronchien von „Unrat“ zu befreien.

Schauen wir uns an, was noch möglich ist:

Zu viel / zu laut gesprochen

Kennst du das nach einem langen Vortrag, Konzert oder Stadionbesuch?
Wenn du deine Stimme stark beanspruchst, ohne sie vorher „aufzuwärmen“, werden die Stimmbänder trocken und rau – genau wie bei einem Bodybuilder, dessen Muskeln ohne vorheriges Aufwärmtraining, Verletzung erfahren.

Dann folgt typischerweise diese Reihenfolge:
Räuspern → Hüsteln → dauerndes Husten → dann die Heiserkeit

Mein Tipp für alle, die ihre Stimme am Tag viel und lang benutzen:
Ein morgendlich kleines Stimm-Warm-up stärkt die Stimme sanft und bereitet sie vor auf einen anstrengenden Tag. (s. Blogartikel: Warm-up für die Stimme).

Eine beginnende Erkältung

Fühlst du dich fröstelig oder „usselig“, sind das Anzeichen, dass dein Immunsystem mit Viren oder Bakterien kämpft.
Die Stimme reagiert mit Trockenheit und Räusper-Reiz und zeigt damit, dass sie jetzt sofort mehr Feuchtigkeit braucht.

Was hilft:

Halte dich warm, trinke reichlich, da dies ein Feuchtigkeitsspender ist.
Trinke Tee – am besten Thymiantee mit Honig. Thymian wirkt desinfizierend, Honig antibakteriell – eine wunderbar heilende Kombination.

Dazu, meine absolute Empfehlung: Hingfong-Tropfen! Ein Allrounder bei Erkältungssymptomen u. Magenbeschwerden! Einige Tropfen in warmes, nicht kochendes Wasser geben und in kleinen Schlucken trinken. Dämpfe gern inhalieren.
Die Wirkung ist phänomenal, einfach und gut! Hingfong-Tropfen enthalten Alkohol.
Aus meiner Praxis darf ich hinzufügen, dass „Fisherman-ANIS“ eine wahre Wohltat bei Halsschmerzen sind. Und: Sogar der Räusper-Reiz kann gänzlich verschwinden, denn die Verschleimung wird aufgelöst. Bei Überdosierung droht (lediglich) ein dünnerer Stuhlgang. Fisherman-Anis enthält Zucker.

2. Pathologische, also krankhafte Ursachen

Manchmal steckt einfach mehr dahinter.

Knötchen auf den Stimmbändern lösen zum Beispiel einen dauerhaften Räusper-Reiz aus.
Die Stimmbänder versuchen, das „Fremdgefühl“ loszuwerden – doch Räuspern verschlimmert die Trockenheit und hemmt die Heilung.
Oft bemerkt man die Knötchen, da etwas Dauerhaftes stört und „a-phonische Anteile im Wort“ entstehen. Also innerhalb eines Wortes tonlose Flüsteranteile eingebaut sind, die grundsätzlich aufhorchen lassen sollten!
Bei Schonung können die Knötchen sogar von alleine wieder verschwinden. Hier hilft das Wissen um diese Stimmbandveränderung.

REFLUX-StörungSaures Aufstoßen:
Das kennen wir alle. Haben wir fettig oder viel gegessen, hat unser Magen richtig was zu tun.
Manchmal gelangt Magensäure in die Speiseröhre – dort hat sie nichts zu tun, da die Speiseröhre für den Anteil Säure nicht ausgerichtet ist und dort auch Schaden anrichten kann! Liegen wir, kann die Magenklappe, die eigentlich den Reflux (also den Rückfluss über die Speiseröhre) verhindern soll, durch die Schwerkraft und das Überangebot an Magensäure in Folge großer Speisen 3 Stunden vor dem Schlafengehen, nicht gänzlich abdichten. So gelangt die Säure also zurück. Das „Brennen hinter dem Brustbein“ ist sehr unangenehm und lässt SCHLAF nicht zu! Man wälzt sich hin und her!
Ein Säureblocker (zb. Rennie) hilft schnell, die Säure zu neutralisieren. Zumindest kann man dann schlafen.

Stiller Reflux – oft unerkannt, nicht weniger gefährlich für Speiseröhre und Stimmbänder:
Manchmal ist es nicht die Magensäure als Solches, sondern die GASE aus dem Magen! Und die ströhmen des Nachts unbemerkt durch unsere Speiseröhre und Kehlapparat, entlang der Stimmbänder. Und diese sind wiederum sehr empfindsam, weshalb der Körper AUTOMATISCH mit verstärkter Verschleimung um das Sprechorgan reagiert. Morgens hat man dann das Gefühl, einen großen Klos im Hals zu haben und man räuspert sich erstmal längere Zeit!

Was hilft denn da?
Wichtig ist, grundsätzlich genug Flüssigkeit im Körper zu haben, sodass der Schleim nicht zu zäh wird und „verflüssigt werden kann“.
Das Liegen auf der linken Seite hilft, denn der Magen liegt dann tiefer und Säure und Gase können nicht so leicht durch die Speiseröhre „krabbeln“.
Wer dabei das Herz spürt, (es muss ja nun gegen das Gewicht des Oberkörpers anarbeiten), kann ein längliches Kissen zwischen die Brust bis zum Bauch nehmen, worauf dann der freie Arm zu Liegen kommt. Das verschafft dem Herzen wieder Freiheit.
Das Essen von fettigen oder mächtigen Speisen nicht auf den späten Abend schieben!
Mindestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen sollte nichts mehr gegessen werden.
Säurebinder sollte man immer im Hause haben für den den Fall, das dies einmal nötig ist (ich empfehle Rennie oder Talcit).
Was auch hilft, ist ein guter Schluck Milch, denn die Kuhmilch neutralisiert die Magensäure.

Bei längerer Heiserkeit, insbesondere ohne erkennbaren Grund, unbedingt die HNO-Praxis mit einschalten!
Bei einer schmerzfreien Kehlkopfspiegelung wird auf die Stimmbänder geschaut. Dieses Verfahren hilft auch einfach zur Kontrolle.
Mehr Input dazu gern hier im MusikParadies.

3. Psychosomatische Ursachen

Hier wird’s richtig spannend, denn leidet die Seele, hört man das!
Wenn sich die Stimme ständig über diesen Räusper-Reiz meldet, obwohl körperlich alles in Ordnung ist, kann es sein, dass da etwas auf der Seele liegt.

Manchmal „braucht“ die Stimme Aufmerksamkeit oder sie will einfach gehört werden.
Das Räuspern hilft dann kurzfristig, weil du dich „mal eben“ selbst hörst – und das wiederum beruhigt dein Nervensystem! Irre? Nein, definitiv begründbar!
Ein Mann erzählte mir, dass seine Freundin beim abendlichen „Film-schauen“ etwa alle 1-2 Minuten einen kurzen Räusper-Reiz abgibt und ihn das immens nervt. Darauf angesprochen sagte sie, sie merke das überhaupt nicht!! Hierbei meldet sich die Stimme, da sie „mal eben“ gehört werden will!
Aber warum?

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen:
Traumatische Erfahrungen zeigen sich oft über die Stimme, denn die Stimme ist direkt mit dem Gefühl verbunden und dieses wird in der Schilddrüse gebildet, die nicht zufällig direkt mit den Stimmbändern gekoppelt ist! Der Nervus Recurrens versorgt nämlich beide Organe!
Also ist auch in diese Richtung ein Blick sinnvoll.

„Das Gefühl ist der Dirigent deiner Stimme“, heißt mein geschaffener Leitsatz dazu.
Melde dich gern – ich bin dein Coach für alle Fälle!

Was du noch tun kannst

Wenn dich das ständige Räuspern begleitet, lohnt sich der Blick auf eine mögliche Ursache.
In der Trauma-Fachberatung gehen wir diesem auf den Grund – auch mit einer umfänglichen Gesundheitsberatung!
Falls es ein Erlebnis gab, dass dich belastet, wird besonders schonend gearbeitet und mögliche alte Wunden müssen dabei nicht geöffnet werden.
Hier geht es nicht um das Wiedererleben von belastenden Situationen, sondern um das Wiederfinden von Stabilität durch Körperverständnis.

Diese Form der Begleitung ist sanft, lösungsorientiert und unglaublich wirksam.
(Siehe Blogbeitrag: Psychotherapie vs. Trauma-Fachberatung)

Fazit

Räuspern ist mehr als nur ein Geräusch – es ist ein Signal deines Körpers oder der Seele.
Wenn du verstehen möchtest, warum sich deine Stimme immer wieder meldet, lass uns gemeinsam hinschauen.

Ich bin Marion Willmanns, Coach für Stimme, Gesundheit und TraumaHilfe aus dem MusikParadies und SeelenParadies-Oberberg.
Finden wir gemeinsam heraus, was hinter solch plötzlich auftretenden Symptomen steckt – damit sich deine Stimme wieder frei und entspannt entfaltet.

DANKE

Danke, dass du dir Zeit für diesen Beitrag genommen hast.
Wenn dich etwas berührt, bewegt oder du mir etwas mitteilen möchtest, melde dich gern bei mir – ich freue mich, von dir zu lesen oder zu hören.

Weitere Blog-Artikel findest du unter: gesang-und-trauma.blog

Nach oben scrollen