Der Körperkrimi beginnt im Gehirn – Verstehen verändert!

Körperreaktionen verstehen – und lernen, wieder Einfluss auf Gehirnfunktionen zu nehmen

Manchmal ist die Gefahr längst vorbei – und trotzdem reagiert der Körper weiter! Und das ist übrigens bei allen Säugetieren exakt gleich! Also eben auch bei Katze, Hund, Pferd …

Man ist plötzlich ständig erschöpft. Schläft schlecht. Ist viel schreckhafter als früher. Kleinigkeiten bringen einen aus der Fassung. Manche Menschen erleben Panik, Herzrasen oder eine ungewohnte innere Unruhe. Andere werden still, ziehen sich zurück oder fühlen sich regelrecht antriebslos.

Und wieder andere kennen sich plötzlich selbst nicht mehr:

Woher kommt diese Wut? Warum bin ich so schnell gereizt? Warum explodiere ich wegen Dingen, die mich früher kaum berührt hätten?

Eine mögliche Erklärung beginnt dort, wo auch unser gesamtes Erleben verarbeitet wird:

Im Gehirn.


Das Gehirn als Firma

In meinem Buch „Und es wird dich verändern – Die Suche nach dem guten Grund“, beschreibe ich das Gehirn ganz bewusst nicht zuerst mit komplizierten Fachbegriffen, sondern als eine Firma.

Da gibt es zunächst die Chefetage mit unserem präfrontalen Cortex – dieser ist der Herr Professor Denker in unserer Firma – sein Spitzname: „Mister Ratio“.

Beginnen wir also ganz oben in unserer Firma.
Hier sitzt in meinem Gehirnmodell Professor Denker. Er ist der Firmenchef, wägt ab, plant, bewertet Situationen und trifft rationale Entscheidungen.

Was ist wichtig?
Was kann warten?
Was muss heute noch erledigt werden?
Und was gehört längst in die Ablage?

Professor Denker ist damit unser „Mister Ratio“. Solange die Firma ruhig läuft, behält er den Überblick, organisiert das Tagesgeschäft und trifft seine Entscheidungen möglichst vernünftig und faktenbasiert.

Eine Etage tiefer befindet sich eine Abteilung, die im Ernstfall sogar dem Chef die Macht nehmen darf.

Das limbische System.

Und dort sitzt eine der wichtigsten Figuren unseres Gehirnmodells.

Frau Amygdala – die Notfallzentrale mit zwei aufmerksamen Antennen: 24/7 in Betrieb.

Frau Amygdala steht für unser körpereigenes Notfallsystem.

In meinem Gehirnmodell trägt sie zwei äußerst aufmerksame „Antennen“. Diese Antennen passen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche auf und prüfen ständig:

Ist alles sicher – oder droht irgendwo Gefahr?

Solange nichts Auffälliges geschieht, beobachten sie lediglich. Reize werden überprüft, bewertet und normalerweise an das Sekretariat weitergeleitet.

Wird jedoch eine massive Bedrohung erkannt, drückt Frau Amygdala sofort auf den Alarmknopf.

Dann gibt es plötzlich keine lange Überlegung mehr.

Das System schaltet auf Überleben! Sofort, impulsgesteuert und ohne Kompromisse!

Und genau das erklärt auch etwas, worunter viele Menschen später sehr leiden:

Man kann sich an manche Situationen schlicht nicht mehr im Einzelnen erinnern.

Warum? Weil Amydala bei einer lebensbedrohlichen Lage sofort das komplette Regime übernimmt. Das bedeutet, dass unser Professor Denker jetzt nicht mehr beteiligt ist!

Er wurde spontan in diesem Moment schlicht „abgeschaltet“. Der Herr Professor wäre nämlich schlicht zu langsam in seiner Entscheidungsfindung. Und das würde das Überleben gefährden!
Genau dafür haben wir Frau Amygdala! Sie übernimmt dann alle Körperrekationen. Den Blutdruck mit Herz-Kreislauf-Aktivität, die Hormonausschüttung (u. a. Adrenalin), die Verdauung und das Nervensystem!
Die rationale Verarbeitung und das geordnete Zusammensetzen von Informationen funktionieren während eines massiven Alarmzustandes nicht so wie im normalen Alltag. Einzelne Handlungen, Bilder oder ganze Abschnitte können deshalb später fehlen.

Für viele meiner Klienten ist genau das eines der größten Aha-Erlebnisse.

Denn plötzlich verändert sich die Frage.

Nicht mehr:

„Warum kann ich mich nicht erinnern? Was stimmt mit mir nicht?“

Sondern:

„Mein Gehirn war in diesem Moment damit beschäftigt, mich zu schützen damit ich überlebe!“

Fehlende Erinnerungen sind also nicht automatisch ein persönliches Versagen und auch kein Beweis dafür, dass man „nicht richtig aufgepasst“ hätte.
Unter extremer Belastung können Erinnerungen schlicht nicht zuverlässig gespgespeichert – und damit auch nicht später abgerufen werden!

Mehr dazu findest du auch in meinen Artikeln:

„Fehlende Erinnerung – wenn das Gehirn uns beschützt“
https://gesang-und-trauma.blog/fehlende-erinnerung/

und dazu auch mega interessant:

„Erinnerungslücken, Überschreibmodus, manipulierte Erinnerungen“
https://gesang-und-trauma.blog/erinnerungsluecken-ueberschreibmodus-manipulierte-erinnerungen/


Wenn die Antennen danach auf Habacht bleiben

Der eigentliche Alarm ist vielleicht irgendwann vorbei.

Doch für unser Gehirn kann damit noch lange nicht alles erledigt sein.

Hat Frau Amygdala einmal einen lebensbedrohlichen Alarm melden müssen, haben ihre Antennen etwas gelernt:

Gefahr ist möglich.

Und nun können sie wachsamer bleiben als zuvor.

In meinem Gehirnmodell stehen sie jetzt förmlich ständig auf Habacht.
Reize, die früher kaum beachtet worden wären, werden schneller und intensiver überprüft.
Das Ergebnis dieser Hyperaktivität: Man erschrickt leichter, reagiert empfindlicher oder gerät schneller in Anspannung und ist viel schneller erschöpft und müde! Denn das alles kostet viel mehr Energie!

Das Entscheidende ist:

Diese Antennen sind lernfähig.

Sie können sich wieder beruhigen lernen. Und ja, da ist oft ein Weg! Er lohnt, denn genau das ist der Schlüssel zum Erfolg in ein wieder geordnetes Zurück.

Sie dürfen dann neue Erfahrungen machen:

Die Gefahr ist vorbei.
Ich bin sicher.
Ich darf mich wieder beruhigen.

Und genau hier beginnt ein wichtiger Teil von Regulation.

Fight, Flight oder Freeze – wenn Überleben Vorrang hat

Im akuten Alarmzustand stehen dem Körper sehr alte Überlebensprogramme zur Verfügung, die alle Säugetiere inne haben:

Fight – Kampf

Flight – Flucht

Freeze – Erstarren oder Schockstarre

Welche Reaktion erfolgt, entscheidet nicht Professor Denker nach einer langen Lagebesprechung.

Der Körper reagiert reflexartig.

Das ist sinnvoll, denn in einer echten Gefahr wäre langes Nachdenken möglicherweise viel zu langsam.

Problematisch wird es erst dann, wenn dieses Alarmsystem anschließend nicht vollständig wieder in seinen normalen Bereitschaftszustand zurückfindet.

Warum das Energiefass manchmal schon am Nachmittag leer ist

Bleibt das Nervensystem in erhöhter Alarmbereitschaft, kostet das Kraft.

Viel Kraft.

Und manchmal bemerkt man genau das schon mitten am Tag.

Morgens startet man vielleicht noch relativ normal. Doch ein Teil der verfügbaren Energie fließt ständig in Wachsamkeit, Anspannung, Selbstkontrolle und das Bewältigen ganz gewöhnlicher Anforderungen.

Man arbeitet.
Man erledigt Termine.
Man funktioniert.

Doch irgendwann am Nachmittag ist plötzlich Schluss.

Das Energiefass ist leer – als wäre längst später Abend.

Und genau dann beginnt eigentlich der Teil des Tages, für den ebenfalls Kraft gebraucht würde:

Familie. Partnerschaft. Freunde. Freizeit. Einkaufen. Kochen. Gespräche. Vielleicht auch einfach einmal etwas Schönes unternehmen.

Aber dafür ist schlicht nichts mehr übrig.

Von außen wird das manchmal missverstanden:

„Für die Arbeit ging es doch auch!“

Ja.

Aber möglicherweise war danach keine Energie mehr vorhanden.

Und genau deshalb können Erschöpfung und Gereiztheit sogar gleichzeitig auftreten:

Ein Mensch ist völlig ausgelaugt – und trotzdem genügt eine Kleinigkeit, damit das ohnehin überlastete System heftig reagiert.

Nicht selten werden diese Menschen krank, wenn der Urlaub beginnt!
Schaue dazu auch auf meinen Blog: Immer krank im Urlaub.


Das Gehirn speichert Alarm – und der Körper reagiert mit Stress

Bei anhaltender Alarmbereitschaft werden Stressreaktionen leichter ausgelöst. Kleine Reize können plötzlich wesentlich größere körperliche oder emotionale Auswirkungen haben als früher.

Betroffene berichten unter anderem von:

Herzrasen,
Schlafstörungen,
Panikattacken,
innere Unruhe,
starke Erschöpfung,
depressive Stimmung oder Gereiztheit
und da ist diese unsägliche Wut, die man von sich selbst überhaupt nicht kennt.

Gerade diese Wut irritiert viele Menschen enorm und entlädt sich oft an denen, die es am wenigsten verdient haben und noch weniger einordnen können.

Wut entsteht wegen scheinbarer Kleinigkeiten. Häufig trifft sie ausgerechnet Menschen, die einem besonders nahestehen.

Und hinterher kommt das Erschrecken:

„Warum habe ich so reagiert?“

Im Gehirnmodell könnte man sagen:

Die Systeme liefen heiß.

Die Reizschwelle ist gesunken und das Alarmsystem reagiert wesentlich früher als früher.


Und dann liegen da plötzlich diese grauen Puzzleteile

Jetzt kommt eine weitere Figur unserer Gehirnfirma ins Spiel:

Herr Hippocampus.

Er ist in meinem Gehirn-Modell der Sekretär.

Seine Aufgabe besteht vereinfacht dargestellt darin, Erlebnisse einzuordnen:

WO ist etwas geschehen?

WANN ist es geschehen?

Kann ein Erlebnis geordnet werden, kann es irgendwann sinngemäß in die Ablage:

„gewesen und erledigt“.

Doch nach einer massiven Überforderung während und nach eines großen Alarms, gelingt genau diese Zuordnung oft nicht mehr vollständig.

Und nun entstehen in meinem Gehirnmodell die „grauen Puzzleteile“.

Sie stehen für Fragmente und Erlebnisteile, die bislang keinen richtigen Platz gefunden haben.

Professor Denker stolpert bildlich gesprochen immer wieder darüber. War er doch bei dem Alarm gar nicht zugegen – weshalb er sich auch keinen Reim auf diese grauen Teile machen kann.

Aber er weiß nicht, obwohl er der Chef der Firma ist und das wissen MÜSSTE:

Was ist das? Warum liegt das hier? Wohin gehört es?

Und genau diese fehlende Zuordnung kann das gesamte System weiter verunsichern.

Menschen beschreiben das manchmal sehr treffend:

„Früher habe ich fünf Dinge gleichzeitig erledigt. Heute überfordert mich schon ein einziger Termin.“


Kann man in diesen Kreislauf eingreifen?

Ja.

Man kann lernen, dem Nervensystem wieder andere Informationen anzubieten.

Dabei geht es allerdings nicht darum, sich selbst zu sagen:

„Jetzt beruhige dich doch endlich!“

Ein Nervensystem lässt sich nicht durch einen guten Ratschlag überreden.

Es braucht etwas anderes:

Erfahrungen von Sicherheit.

Ruhige, rhythmische Bewegungen können dabei insbesondere hilfreich sein.
In meinem Buch: „Und es wird dich verändern … die Suche nach dem guten Grund“, gehe ich unter anderem auf das Schaukeln ein, aber auch auf ruhiges Gehen, entspanntes Radfahren oder moderates Schwimmen.

Entscheidend ist dabei nicht die sportliche Leistung.

Es geht um Rhythmus, Regulation und das Erleben:

Ich bin gerade sicher.

Das Schaukeln selbst „löst“ selbstverständlich kein Trauma auf. Im Gehirnmodell schafft eine solche Regulation aber bessere Voraussetzungen dafür, dass Verarbeitung überhaupt wieder stattfinden kann. Denn das Schaukeln ist stark mit unserem Gefühl verbunden und das Gefühl besassen wir schon, bevor das Gehirn arbeitete.

Im Mutterleib!

Und diese ruhige „Schaukelbewegung“ haben wir abgespeichert mit dem Gefühl: „Alles ist gut“! Und exakt daran erinnert sich unser Nervenkostüm!


Und dann verändert sich eine Frage

Vielleicht lautet die Frage irgendwann nicht mehr:

„Was stimmt mit mir nicht?“

Sondern:

„Was versucht mein Gehirn gerade zu schützen, zu verstehen oder endlich einzuordnen?“

Und plötzlich ergibt manches Verhalten einen anderen Sinn.

Die Erschöpfung.

Die Wut.

Die Schreckhaftigkeit.

Die Erinnerungslücke.

Die Überforderung.

Oder dieses eigenartige Gefühl, dass der eigene Körper anders reagiert als früher.

Genau dort beginnt nämlich der Körperkrimi im Gehirn.

Und genau deshalb lautet einer der wichtigsten Sätze meiner Arbeit:

Verstehen verändert!



Lerne hier das gesamte Gehirnmodell kennen!

Das vollständige Modell mit Professor Denker, Frau Amygdala, Herrn Hippocampus, den grauen Puzzleteilen,
Fight–Flight–Freeze und der Frage, wie Verarbeitung wieder möglich werden kann, findest du ausführlich in meinem aktuellen Buch:

„Und es wird dich verändern – Die Suche nach dem guten Grund“

Thriller & Psychologie
Reale Fakten treffen auf einen fiktiven Fall.

Das Buch verbindet eine fiktive Geschichte in Form eines spannenden Thrillers mit realen psychologischen und neurobiologischen Zusammenhängen – und mit einer Frage, die sich durch das gesamte Buch zieht:

Was, wenn mehr als Schuld hinter einer Tat steht? Was ist der „gute Grund“ hinter einem Verhalten?

Buch Bestellung:

Das Buch kann H I E R direkt im BoD-Shop bestellt werden.

Entstanden ist das Buch hier im Homburger Ländchen, in Nümbrecht und Umgebung. Die Region findet sich deshalb auch an verschiedenen Stellen im Buch wieder.
Erhältlich ist es selbstverständlich auch in Nümbrecht – in der Buchhandlung LESEZEICHEN und in jeder anderen Buchhandlung.

Du möchtest eine persönliche Widmung oder die Limited Edition? Schreib mir! Ich freue mich auf deine Zeilen!

Die „Limited Edition“ enthält zusätzlich im Buchdesign einen Rucksack-Tragebeutel, eine Autorenkarte sowie meine Duett-CD „Together“.
Unbedingt vormerken lassen, da die limitierte Ausgabe auf 60 Stück begrenzt ist – für alle, die sich etwas Besonderes wert sind. 🙂

Preise und Ausgabeformen:
E-Book: 14,99 €,
Paperback/Printausgabe: 25,90 €,
Limited Edition: 35,90 €.

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